
Worauf führe ich meine guten Zeiten bei der Masters WM in
Singapur zurück
Zur Ausgangssituation:
Ich bin in diesem Jahr 54 Jahre alt, also der letzte Jahrgang der AK 50, was eigentlich eine schlechte Ausgangssituation darstellt, denn am Anfang einer AK sind die Chancen für gute Platzierungen besser. Je älter man wird, desto mehr merkt man diese 5 Jahre Unterschied zwischen dem jüngsten und dem ältesten der AK. Dennoch ließ ich mich schnell überreden, trotzdem in Singapur zu starten, weil wir zum einen eine Damen-Staffel zusammengebracht hatten und ein Staffelstart natürlich super motivierend ist. Zum anderen war das Ziel „Singapur“ an sich verlockend.
Nach dem Entschluss, dort zu starten, musste ich mir im Frühjahr Gedanken über meine Einzelstarts machen. „Meine“ Strecke waren eigentlich immer die 200m Schmetterling. Nachdem ich bis zur Masters-WM 2023 immer darauf den Fokus gelegt hatte und das Rennen dort so gar nicht lief, hatte ich es vermieden, längere Schmetterlingsserien im Training zu schwimmen. Seit August 2023 bin ich keine 200m Schmetterling mehr am Stück geschwommen. Also probierte ich Anfang 2025 beim Ausschwimmen, ob ich diese Strecke überhaupt noch am Stück schaffe. Ich schwamm die 200m immer mal in lockerem, langsamem Tempo durch. Nachdem dies klappte, traute ich mich, diese Strecke erneut zu melden. Zudem meldete ich die 200m Rücken und die 400m Freistil, da alle drei Strecken Mitteldistanzen sind, und sich das Training dazu gut gestalten ließe. Rücken trainierte ich seit der missglückten WM 2023 öfter und Freistil-Serien ballere ich von jeher extrem gerne im Training mit Paddles in hohem Tempo.
So waren meine Vorüberlegungen bei der Meldung der Einzelstrecken.
Zudem hatten wir ja noch die beiden Staffel: 4x50m Freistil und 4x50m Lagen, wobei ich dort die Freistil-Strecken übernehmen musste. Das bedeutete, dass ich zusätzlich an meiner Sprintfähigkeit arbeiten musste. Kurze Teilstrecken mit hohen Zugfrequenzen (was mir als Mittel- / Langstreckler schwer fällt) und mit Beinschlag (welchen ich eigentlich gar nicht habe) waren ab dem Frühjahr immer Teil der Trainingseinheiten.
Was kam bei der WM dabei raus?
Der Wettkampf startete für mich mit 200m Rücken, vor denen ich mega nervös war, obwohl das ja nur eine Nebenstrecke zum reinkommen war. Ohne Gefühl bin ich die vier Bahnen herunter geschwommen und war am Ende positiv überrascht; schneller als 3:10,91 war ich zuletzt 2016.
Nach drei Tagen Erholung bzw. intensiver Stadtbesichtigung und täglichem Training, damit das Wassergefühl besser wird und die Nervosität weniger, standen die 200m Schmetterling an. Ich schaffte es tatsächlich, mich besser zu fokussieren und konnte mir die vier Bahnen gut einteilen. 3:09,15 standen schließlich auf der Anzeigetafel, was Platz 5 bedeutete und auch das war die beste Zeit seit 2017.
Tags drauf ging ich dann locker in das 400m Freistil-Rennen, auf das ich mich tatsächlich freute, denn ich hatte ja nichts zu verlieren.
Zwei gute Zeiten waren bereits geschwommen. Mit dieser Einstellung konnte ich mich recht schnell an der Spitze des Feldes positionieren und den Lauf mit 5:39,82 gewinnen. Am Ende landete ich auf Platz 9 - auch hier war ich zuletzt 2016 schneller.
In den beiden Staffel konnte ich 32,46 bzw. 32,62 erschwimmen, was für mich ordentliche Sprintzeiten sind. Bei den Meldezeiten hatte ich erhofft, dass ich 32,xx schwimmen kann.
Rückblickend: woran lag es, dass die Zeiten besser waren als die Jahre zuvor?
Mengenmäßig habe ich über das Jahr hinweg nicht mehr trainiert. Ich trainiere seit Jahren regelmäßig dreimal pro Woche im Wasser.
Dazu kommen Land und Kraft-Einheiten, wobei ich in diesem Jahr sogar extrem wenig Laufen war.
Dadurch, dass ich Nachwuchstrainerin bin und mit den Kindern oft am Wochenende zu Wettkämpfen unterwegs bin, kommt da mein
eigenes Training zu kurz. Die Wochenend-Einheiten konnte ich nur nutzen, wenn kein Nachwuchs-Wettkampf auf dem Programm stand.
Seit zwei Jahren habe ich aber meine Schwimmarten im Training etwas abgeändert. Wie oben bereits erwähnt, schwimme ich viele Serien in Rücken, wo es mir gelingt, mit hohem Puls, vielen Wiederholungen und kurzen Pausen im Stehvermögen-Bereich zu trainieren.
Bei Schmetterling kann ich das nicht (mehr) bewerkstelligen. Da leidet die Technik bis hin zur Aufgabe.
Zudem habe ich ziemlich regelmäßig Krafttraining absolviert. Nach dem Wechsel des Fitnessstudios (jetzt: in der Therme) kann ich schwimmen und Kraft einfacher verbinden, so dass ich öfter dazu gekommen bin. Allerdings waren meine Krafteinheiten neben Mittwochs am Freitag, Samstag und Sonntag geplant, was durch meine Trainerfunktion immer wieder zu Pausen führte.
Das Krafttraining an sich könnte durch einen strukturierten Trainingsplan verbessert werden, was vielleicht eine Perspektive für die Zukunft und die neue AK ist.
Seit März habe ich meine Ernährung umgestellt. Ich esse weitestgehend Keto, was mir sehr gut tut. Ich konnte mein Gewicht reduzieren und hatte ernährungsbedingt wenig Hunger und Gelüste. Zudem fühlte ich mich oft energiegeladen und frisch, was ein intensives Training benötigt.
Neben dem Masters-Trainingslager in den Faschingsferien war ich auch in der zweiten Oster-Woche fleißig. Nachdem unser Sohn Ben eine Trainings-Week in Mallorca absolvierte, nutzte ich alle Möglichkeiten des Public Swimming und schruppte da etliche Zusatz-km.
Auch das gute Wetter und das daraus resultierende warme Wasser im Eichwald (50m Bahn) in den Pfingstferien erlaubten einen hohen Trainingsumfang im Wasser. Fasching, Ostern und Pfingsten hatte ich so etliche Einheiten über 4km zu verzeichnen, was ich nach wie vor benötige, um für die Mitteldistanzen gut vorbereitet zu sein.
Diese Mischung hat also zu den guten Resultaten beigetragen. Immer noch motiviert von dem guten Ergebnis bin ich nun voll ambitioniert um 2026 in die AK 55 zu wechseln und dort neben guten Zeiten vielleicht auch besser Platzierungen zu erzielen.
Bildquelle und Bildrechte: Privatarchiv Sandra Bandlow Albrecht.
Bericht von Sandra Bandlow-Albrecht
06.September 2025
Sandra Bandlow-Albrecht

